Christine Lagarde — Präsidentin der Europäischen Zentralbank
Key-Facts: Christine Lagarde
- Name: Christine Madeleine Odette Lagarde
- Geboren: 1. Januar 1956, Paris, Frankreich
- Amt: Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB)
- Fraktion: — (parteilos, unabhängiges Amt)
- Land: Frankreich
- Im Amt seit: 2019
Christine Lagarde ist seit November 2019 Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) und damit die mächtigste Frau in der europäischen Wirtschaftspolitik. Als erste Frau sowohl an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) als auch der EZB hat sie eine beispiellose internationale Karriere vorzuweisen. Ihre Amtszeit ist geprägt von der Bewältigung der Inflationskrise und der Neuausrichtung der europäischen Geldpolitik.
Biografie & Karriere
Lagarde wurde 1956 in Paris geboren. Sie studierte Rechtswissenschaften an der Universität Paris X (Nanterre) und schloss eine Ausbildung am Institut d'études politiques (Sciences Po) in Aix-en-Provence ab. Als Jugendliche war sie Mitglied der französischen Synchronschwimm-Nationalmannschaft.
Ihre berufliche Laufbahn begann sie 1981 bei der internationalen Anwaltskanzlei Baker McKenzie in Chicago, wo sie sich auf Arbeits-, Kartell- und Fusionsrecht spezialisierte. 1999 wurde sie dort erste weibliche Vorsitzende des Global Executive Committee – eine Premiere in einer der größten Kanzleien der Welt.
2005 wechselte sie in die französische Politik als Ministerin für Außenhandel. 2007 wurde sie Wirtschafts- und Finanzministerin unter Präsident Sarkozy – die erste Frau im Amt eines G7-Finanzministers. In der globalen Finanzkrise 2008/2009 koordinierte sie die französische Bankenrettung.
2011 wurde sie zur Geschäftsführenden Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) ernannt und 2016 für eine zweite Amtszeit bestätigt. Beim IWF managte sie die Eurokrise, Programme für Griechenland und die Reform der IWF-Quoten zugunsten von Schwellenländern.
Politische Positionen
Als EZB-Präsidentin ist Lagarde zur politischen Neutralität verpflichtet. Ihr primäres Mandat ist die Preisstabilität im Euroraum mit einem Inflationsziel von 2 Prozent. In der Geldpolitik steht sie für einen datenbasierten, pragmatischen Ansatz.
Nach dem Inflationsschock 2022 leitete sie die schnellste Zinserhöhungsserie in der Geschichte der EZB ein – von minus 0,5 Prozent auf 4,5 Prozent innerhalb von 14 Monaten. Ab Mitte 2024 begann sie angesichts sinkender Inflation mit schrittweisen Zinssenkungen.
Lagarde hat die EZB in zwei neue Bereiche geführt: den Klimaschutz (grüne Geldpolitik, Klima-Stresstest für Banken) und die Digitalisierung (Projekt „Digitaler Euro“). Beide Initiativen sind innerhalb der Zentralbank und in der Öffentlichkeit nicht unumstritten.
EU-Rolle
Die EZB ist unabhängig von Weisungen der EU-Regierungen und des EU-Parlaments. Lagarde leitet den EZB-Rat, der aus den sechs Direktoriumsmitgliedern und den 20 Notenbankgouverneuren der Eurozone besteht. Ihre geldpolitischen Entscheidungen betreffen direkt über 350 Millionen Menschen im Euroraum.
Lagarde nimmt regelmäßig an Sitzungen der Eurogruppe und des Europäischen Rates teil. Sie berichtet vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des EU-Parlaments. Ihre Amtszeit läuft bis Oktober 2027 und ist nicht verlängerbar.
| Zeitraum | Amt / Position | Institution |
|---|---|---|
| 2019–2027 | Präsidentin | Europäische Zentralbank (EZB) |
| 2011–2019 | Geschäftsführende Direktorin | Internationaler Währungsfonds (IWF) |
| 2007–2011 | Wirtschafts- und Finanzministerin | Französische Republik |
| 2005–2007 | Ministerin für Außenhandel | Französische Republik |
| 1999–2005 | Vorsitzende Global Executive Committee | Baker McKenzie |
2019: Lagarde wird EZB-Praesidentin – und fuehrt durch groesstmoegliche geldpolitische Herausforderung
Am 1. November 2019 uebernahm Christine Lagarde die Praesidentschaft der Europaeischen Zentralbank. Ihre ersten drei Jahre waren gepraegte von Corona-Anleihenkaeufen (PEPP, 1.850 Mrd. EUR) und dann dem steilsten Zinsanstieg seit der Euro-Einfuehrung. 2022 begann die EZB die Zinsen zu erhoehen: von 0% im Juli 2022 auf 4,5% im September 2023. Es war die schnellste Zinsstraffung in der Euro-Geschichte. Kritiker warfen Lagarde zu spaetes Handeln bei der Inflation vor; Verteidiger betonten, sie habe die Eurozone durch eine doppelte Krise gesteuert. Als erste Frau an der EZB-Spitze praegt sie die europaeische Geldpolitik in historisch schwierigen Zeiten.
Häufige Fragen
Was macht die EZB-Präsidentin?
Die EZB-Präsidentin leitet den EZB-Rat, der über die Geldpolitik des Euroraums entscheidet (Leitzinsen, Anleihekaufprogramme, Liquiditätsmaßnahmen). Sie vertritt die EZB nach außen und leitet die Bankenaufsicht für die größten Geldinstitute der Eurozone.
Was ist der Digitale Euro?
Der Digitale Euro ist ein Projekt der EZB für eine digitale Form des Euro als Ergänzung zum Bargeld. Er soll kostenloses, sicheres digitales Bezahlen im gesamten Euroraum ermöglichen. Die Vorbereitungsphase begann 2023, eine Entscheidung über die Einführung steht noch aus.
Warum erhöhte die EZB 2022/2023 die Zinsen so stark?
Die Inflation im Euroraum stieg 2022 auf über 10 Prozent, getrieben durch Energiepreise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und Lieferkettenprobleme. Die EZB erhöhte den Leitzins in zehn Schritten auf 4,5 Prozent, um die Inflation zumückzuführen – mit Erfolg: 2024 näherte sich die Inflation wieder dem 2-Prozent-Ziel.
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