Gera — Geschrumpfte Bezirksstadt mit AfD über 35%
Key-Facts: Gera
- Einwohner: 93.000 (1988: 135.000)
- Bundesland: Thüringen
- Oberbürgermeister: Kurt Weißenborn (parteilos/CDU-gestützt, seit 2024)
- Wahlkreis: Gera – Greiz – Altenburger Land (196)
- Besonderheit: Ehem. DDR-Bezirkshauptstadt, Jugendstil-Villen, drastische Schrumpfung, AfD über 35%
Gera erzählt die Geschichte des deutschen Ostens wie kaum eine andere Stadt. Als DDR-Bezirkshauptstadt hatte sie 135.000 Einwohner, Uranbergbau in der Nähe (Wismut), eine florierende Textilindustrie und den Status einer Großstadt. Heute sind es unter 93.000 — ein Verlust von fast einem Drittel der Bevölkerung in 35 Jahren.
Was geblieben ist: Die prächtigen Jugendstil-Villen aus der Blütezeit um 1900, als Geras Textilindustrielle zu den reichsten Thüringens gehörten. Sie stehen als architektonische Zeugen einer Zeit, in der die Stadt prosperierte. Viele sind restauriert, aber drumherum zeigen leerstehende Häuser und geschlossene Läden die Realität einer schrumpfenden Stadt.
Bundestagswahl 2025 in Gera
Der Wahlkreis Gera–Greiz–Altenburger Land ist einer der AfD-stärksten in ganz Deutschland.
| Partei | Gera – Greiz – Altenburger Land (196) |
|---|---|
| AfD | 36,2% |
| CDU | 24,1% |
| BSW | 12,6% |
| SPD | 8,4% |
| Linke | 7,3% |
| Grüne | 3,6% |
| FDP | 3,2% |
Die AfD holte 36,2% und damit eines ihrer besten Ergebnisse bundesweit. Die CDU kam auf 24,1% — 12 Prozentpunkte Abstand. In Gera selbst lag die AfD sogar leicht über dem Kreisschnitt. Die Grünen erreichten nur 3,6% — in einer überalterten, wirtschaftlich schwachen Stadt haben urbane Themen keinen Resonanzboden.
Wismut-Erbe und Deindustrialisierung
In der Nähe von Gera betrieb die sowjetisch-deutsche Wismut AG den Uranbergbau — die DDR war drittgrößter Uranproduzent der Welt. Nach 1990 wurde die Wismut abgewickelt, Tausende verloren ihre Arbeit. Die ökologischen Altlasten werden bis heute für Milliarden saniert.
Die Textilindustrie — Geras zweite Stütze — brach ebenfalls zusammen. Zurück blieb eine Stadt ohne wirtschaftliches Fundament. Die Folge: Abwanderung der Jungen, Überalterung, sinkende Kaufkraft. Die AfD-Ergebnisse sind der politische Ausdruck eines Gefühls, das viele Geraer teilen: Dass die Wiedervereinigung nicht für alle ein Gewinn war.
Lage
2024: Gera waehlt AfD auf 38 Prozent – Hochburg des Sonneberg-Musters
Bei der Landtagswahl am 1. September 2024 erzielte die AfD im Wahlkreis Gera 38,1 Prozent – eines der hoechsten AfD-Ergebnisse aller ostdeutschen Staedte. Gera ist die drittgroesste Stadt Thueringens und hatte nach der Wende massive Deindustrialisierung erlebt: von 135.000 (1989) auf 95.000 (2024). Die Bevoelkerungsschrumpfung von 30 Prozent ist eine der starksten einer deutschen Mittelstadt. Der Landrat des Landkreises Greiz (zu dem Gera benachbart liegt) hatte 2023 als erster AfD-Landrat Deutschlands gewonnen. Gera folgte dem Trend: Je groesser der Bevoelkerungsverlust und je schwaecher die Wirtschaftsstruktur, desto hoeher der AfD-Anteil.
Häufige Fragen
Warum hat Gera so viele Einwohner verloren?
Uranbergbau und Textilindustrie brachen nach 1990 zusammen. Von 135.000 Einwohnern schrumpfte die Stadt auf unter 93.000. Vor allem junge Menschen wanderten ab.
Was sind Geras Jugendstil-Villen?
Eine der größten Sammlungen von Jugendstil-Architektur in Deutschland, aus der Blütezeit um 1900, als Geras Textilbarone zu den reichsten Thüringens zählten.
Warum wählt Gera so stark AfD?
Dramatische Schrumpfung, Arbeitslosigkeit, Überalterung und das Gefühl, vergessen worden zu sein. Die AfD erreichte 2025 über 36% und ist damit klar stärkste Kraft.
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