Stendal — Altmark-Stadt mit berühmtem Namensvetter
Key-Facts: Stendal
- Einwohner: 40.000
- Bundesland: Sachsen-Anhalt
- Region: Altmark („Wiege Preußens“)
- Wahlkreis: Altmark (67)
- Besonderheit: Namensgeber für Schriftsteller Stendhal, Winckelmann-Geburtsort, Backsteingotik
Es ist eine der kuriosesten Geschichten der Literaturgeschichte: Der französische Schriftsteller Marie-Henri Beyle wählte sich das Pseudonym „Stendhal“ — nach der kleinen Stadt Stendal in der Altmark. Der Grund: Er bewunderte den Archäologen Johann Joachim Winckelmann, der hier 1717 geboren wurde. Stendhal schrieb „Rot und Schwarz“ und „Die Kartause von Parma“ — Stendal selbst blieb dagegen weitgehend unbekannt.
Heute ist Stendal eine typische Kleinstadt der Altmark — jener dünn besiedelten Region im Norden Sachsen-Anhalts, die als „Wiege Preußens“ gilt. Ländlich, überaltert, wirtschaftlich schwach. Die mittelalterliche Backsteingotik — Dom, Rathaus, Tangermünder Tor — erinnert daran, dass Stendal im Mittelalter eine bedeutende Hansestadt war.
Bundestagswahl 2025 in der Altmark
Der Wahlkreis Altmark, zu dem Stendal gehört, ist einer der AfD-stärksten in Sachsen-Anhalt. Die ländliche Struktur verstärkt den Trend.
| Partei | Altmark (67) |
|---|---|
| AfD | 33,2% |
| CDU | 27,4% |
| BSW | 11,8% |
| SPD | 9,6% |
| Linke | 6,4% |
| Grüne | 3,9% |
| FDP | 3,1% |
Mit 33,2% wurde die AfD im Wahlkreis Altmark klar stärkste Kraft. Die Grünen kommen auf gerade 3,9% — einer der niedrigsten Werte in ganz Sachsen-Anhalt. Das BSW erreichte mit 11,8% ein beachtliches Ergebnis und profitierte von der Enttäuschung über die Linke. In Stendal selbst lag die AfD leicht unter dem Kreisschnitt — die Kleinstadt wählt minimal moderater als das Umland.
Ländliche Frustration
Die Altmark hat mit den typischen Problemen ländlicher ostdeutscher Regionen zu kämpfen: Ärztemangel, schlechte Bahnanbindung, geschlossene Geschäfte in den Innenstädten, wegbrechende Infrastruktur. Stendal liegt zwar am ICE-Knoten Berlin–Hannover, aber der schnelle Zug hält nur selten — und wer einsteigt, fährt meist weg und kommt nicht wieder.
Die politische Konsequenz: Ein tiefes Misstrauen gegenüber „denen da oben“, das sich in hohen AfD-Ergebnissen und niedriger Wahlbeteiligung ausdrückt. Gleichzeitig gibt es eine aktive Zivilgesellschaft, die gegen den Trend ankämpft — mit Kulturprojekten, Bürgerinitiativen und dem Versuch, junge Menschen in der Region zu halten.
Lage
2021: Stendal waehlt AfD auf 28 Prozent – Altmark als AfD-Kerngebiet
Bei der Landtagswahl am 6. Juni 2021 erzielte die AfD im Landkreis Stendal 28,3 Prozent – eines der hoechsten AfD-Ergebnisse in Sachsen-Anhalt. Stendal ist das Zentrum der Altmark, einer der am duennsten besiedelten Regionen Deutschlands. Seit 1990 hat die Region 30 Prozent ihrer Bevoelkerung verloren, die Jugendarbeitslosigkeit war in den 2000ern strukturell hoch. CDU kam auf 34,5 Prozent – die CDU blieb staerkste Kraft, aber die AfD war auf Augennhoehe mit der SPD. Das Muster: Je laendlicher und bevoelkerungsaermer ein ostdeutscher Wahlkreis, desto staerker die AfD.
Häufige Fragen
Welche Verbindung hat Stendal zum Schriftsteller Stendhal?
Der französische Autor Marie-Henri Beyle wählte „Stendhal“ als Pseudonym, weil er den in Stendal geborenen Kunsthistoriker Winckelmann bewunderte.
Was ist die Altmark?
Eine dünn besiedelte Region im Norden Sachsen-Anhalts, oft als „Wiege Preußens“ bezeichnet. Stendal ist ihr größter Ort. Ländlich, wenig Industrie, starke Abwanderung.
Wie wählt Stendal politisch?
Der Wahlkreis Altmark gehört zu den AfD-stärksten in Sachsen-Anhalt. Die ländliche Struktur, hohe Überalterung und geringe wirtschaftliche Dynamik begünstigen populistische Parteien.
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