STRG_F: Jung und radikal — Was planen Neonazis in Zwickau?
Key-Facts: STRG_F Zwickau-Reportage
- Veröffentlicht: 28. August 2024
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- Ort: Zwickau, Sachsen
- Thema: Neonazi-Netzwerk Nordadler, Rekrutierung junger Rechtsextremer
- BTW 2025 AfD in Sachsen: 38,0 Prozent
Zwickau ist keine unbekannte Stadt in der Geschichte des deutschen Rechtsextremismus. Der NSU mit Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe hatte hier seinen Untergrund-Stützpunkt. Ein Jahrzehnt später recherchiert STRG_F in derselben Stadt — und findet ein neues Netzwerk: Nordadler. Jünger, vernetzter über Social Media, und mit Verbindungen bis in den Zwickauer Stadtrat der AfD.
Was zeigt die Reportage?
Das STRG_F-Team recherchiert verdeckt im Nordadler-Netzwerk und zeigt, wie die Gruppe jüngere Männer über Telegram, Instagram und persönliche Kontakte rekrutiert. Das Netzwerk pflegt eine paramilitärische Ideologie, trainiert physisch und nutzt Musikveranstaltungen als Deckmantel für Treffen. Besonders alarmierend: die Normalisierung rassistischer Gewaltfantasien in privaten Chatgruppen.
Die Verbindungen zur AfD sind dabei nicht institutioneller Natur — die Partei ist nicht als Neonazi-Organisation einzustufen. Aber die Reportage zeigt, wie fließend die Übergänge zwischen dem radikalen Rand der AfD-Wählerschaft und offen neonazistischen Netzwerken sind.
Sachsen: Wo Rechtsextremismus systemisch ist
Bei der Bundestagswahl 2025 erzielte die AfD in Sachsen 38,0 Prozent — das höchste Ergebnis aller Bundesländer und mehr als doppelt so hoch wie das bundesdeutsche Ergebnis von 20,8 Prozent. In einigen Wahlkreisen im sächsischen Erzgebirge kam die AfD auf über 45 Prozent.
Die Erklärungen dafür sind komplex: Die Transformation nach der Wende 1990 traf Sachsen wirtschaftlich hart. Ganze Industriezweige brachen weg. Bis heute ist die Abwanderung von Fachkräften ein Problem, viele Regionen altern schnell. Das Gefühl, von der Bonner und Berliner Politik übersehen zu werden, ist tief verankert — und wird von rechten Parteien systematisch bedient.
Was bedeutet das für die Bundespolitik?
Die CDU/CSU steht in Sachsen unter besonderem Druck: Sie muss eine Koalitionsregierung führen, ohne mit der AfD zusammenzuarbeiten, aber gegen eine Partei, die fast so stark ist wie sie selbst. Gleichzeitig sieht sie sich dem Vorwurf ausgesetzt, durch das Aufgreifen von AfD-Themen (Migration, innere Sicherheit) den Rechtsextremismus zu normalisieren.
Das STRG_F-Video liefert den politischen Debatten ein konkretes Gesicht: Neonazismus in Deutschland 2024 ist kein Phänomen alter Männer mit Hakenkreuz-Tattoos. Er ist jung, digital vernetzt und politisch adaptiver als je zuvor.
Häufige Fragen
Was ist Nordadler?
Nordadler ist ein neonazistisches Netzwerk aus Sachsen mit Strukturen in mehreren sächsischen Städten. Das Netzwerk rekrutiert junge Männer über Social Media und pflegt eine paramilitärische Ideologie.
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Warum wählt Sachsen so stark die AfD?
38 Prozent AfD bei der BTW 2025 — Sachsen ist das Stärkste AfD-Land. Wirtschaftliche Brüche nach 1990, Abwanderung und ein tiefes Misstrauen gegenüber der Bundespolitik erklären das strukturelle Protest-Potential.
Hat die AfD Verbindungen zum Neonazismus?
Der Verfassungsschutz dokumentiert Verbindungen zwischen Teilen der AfD und rechtsextremen Netzwerken, insbesondere bei der Jungen Alternative. Als Partei ist die AfD aber nicht gleichzusetzen mit organisierten Neonazis.