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Wahlkreis 178: Hochsauerlandkreis – Wo die CDU zu Hause ist

Key-Facts: Wahlkreis 178

  • Wahlkreis-Nr.: 178
  • Name: Hochsauerlandkreis
  • Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Einwohner: ~260.000
  • Wahlberechtigte: ~170.000
  • Besonderheit: Flächengrößter Kreis NRWs
  • Gewinner BTW 2025: CDU (Erststimme)

Es gibt Wahlkreise, die politisch umkämpft sind, und solche, in denen das Ergebnis am Wahlabend kaum jemanden überrascht. Der Hochsauerlandkreis gehört zur zweiten Kategorie. Seit Gründung der Bundesrepublik geht das Direktmandat hier an die CDU – Ausnahmen gab es keine. Mit 41,2 Prozent der Erststimmen bei der Bundestagswahl 2025 blieb das auch diesmal so.

Was diesen Wahlkreis darüber hinaus besonders macht: Er ist der flächengrößte Kreis in ganz Nordrhein-Westfalen. Zwischen den bewaldeten Höhenzügen des Sauerlandes erstreckt sich ein dünn besiedeltes Gebiet, das mehr mit dem Bergischen Land gemeinsam hat als mit den Ruhrgebietsstädten nur eine Autostunde weiter nördlich.

Arnsberg, Brilon, Winterberg – die Eckpfeiler

Arnsberg, die Kreisstadt, ist Verwaltungszentrum und Sitz der Bezirksregierung. Das Stadtbild prägen Fachwerkhaeuser entlang der Ruhr, die hier noch ein schmaler Mittelgebirgsfluss ist. Brilon, im Osten des Kreises, ist Luftkurort und durch die Briloner Waldfedriche überregional bekannt. Hier wurde 1955 Friedrich Merz geboren – eine Tatsache, die dem Wahlkreis in den letzten Jahren zusätzliche mediale Aufmerksamkeit verschafft hat.

Winterberg allerdings kennt ganz Deutschland: Die Bobbahn am Erenberg ist Austragungsort von Weltcup-Rennen im Bob, Skeleton und Rennrodeln. Das Bundesleistungszentrum bildet Spitzenathleten aus. Im Winter drängen sich Skifahrer auf den Pisten, im Sommer kommen Mountainbiker und Wanderer. Für den Hochsauerlandkreis ist Tourismus neben dem Handwerk der wichtigste Wirtschaftsfaktor.

Katholisches Sauerland: Warum die CDU hier dominiert

Die Erklärung für die CDU-Dominanz liegt weniger in der Tagespolitik als in der Sozialstruktur. Das Sauerland ist eine der am stärksten katholisch geprägten Regionen Westfalens. Schützenvereine, Kirchengemeinden und Handwerksbetriebe bilden ein enges soziales Netz, das konservative Wertvorstellungen stützt. Die Arbeitslosenquote liegt unter dem Landesschnitt, kleine und mittlere Unternehmen im Metallbereich, in der Zulieferindustrie und im Gastgewerbe prägen den Arbeitsmarkt.

Das Verhältnis zwischen Kandidat und Wähler ist hier persönlicher als in Großstädten. Man kennt seinen Abgeordneten, trifft ihn beim Schützenfest oder im Sportverein. Diese Nähe stabilisiert politische Bindungen über Generationen hinweg.

Wahlkabine in einem deutschen Wahllokal
Im Sauerland stehen Wahlkabinen oft in Dorfgemeinschaftshäusern – kurze Wege, hohe Beteiligung.

Erststimmen bei der Bundestagswahl 2025

Partei Erststimmen 2025 Rang
CDU41,2 %1 – Direktmandat
SPD18,6 %2
AfD14,4 %3
Grüne6,4 %4
FDP5,8 %5
BSW5,4 %6
Linke1,6 %7
Sonstige6,6 %

Bemerkenswert ist der Abstand: Über 22 Prozentpunkte trennen die CDU von der zweitplatzierten SPD. Die AfD erreicht 14,4 Prozent – ein Wert, der im ländlichen NRW dem Trend entspricht, aber weit unter ostdeutschen Vergleichswerten bleibt. Das BSW tritt erstmals an und holt aus dem Stand 5,4 Prozent, vermutlich zu Lasten der Linken, die auf magere 1,6 Prozent sinkt.

Historische Ergebnisse im Vergleich

Bundestagswahl Gewinner (Erststimme) CDU-Anteil
2025CDU41,2 %
2021CDU36,8 %
2017CDU44,1 %

2021 war das schwächste CDU-Ergebnis in der Geschichte des Wahlkreises – ein bundesweiter Trend, von dem sich die Partei 2025 im Sauerland deutlich erholte. Der Rückgewinn von über vier Prozentpunkten zeigt, wie eng das hiesige Ergebnis an die bundespolitische Stimmung gekoppelt ist, ohne dass das Grundmuster sich ändert.

Meschede, Handwerk und die Stille des Waldes

Meschede, am Zusammenfluss von Ruhr und Henne gelegen, ist mit rund 30.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt im Kreis. Die Abtei Königsmünster, ein Benediktinerkloster, prägt das Stadtbild und unterstreicht den katholischen Charakter der Region. Die Hennetalsperre versorgt nicht nur das Sauerland, sondern auch Teile des Ruhrgebiets mit Trinkwasser – eine oft vergessene Verbindung zwischen dem dünn besiedelten Süden und der Metropolregion im Norden.

Was den Hochsauerlandkreis wirtschaftspolitisch umtreibt, ist weniger die große Industriepolitik als die Frage, wie junge Menschen in der Region gehalten werden können. Die Abwanderung in Richtung Köln, Dortmund oder Düsseldorf ist spürbar. Breitbandausbau, Pendlerverbindungen und bezahlbarer Wohnraum sind die Themen, die an den Stammtischen diskutiert werden – nicht die Berliner Koalitionsarithmetik.

Lage des Wahlkreises

1994: Gerhard Schröder gewinnt Hannover direkt – und verliert trotzdem

Bei der Bundestagswahl 1994 gewann Gerhard Schröder das Direktmandat in Hannover – mit 48,2 Prozent der Erststimmen. Doch bundesweit verlor die SPD (36,4 Prozent) gegen Helmut Kohls CDU/CSU (41,5 Prozent). Schröder zog über das Direktmandat trotzdem in den Bundestag ein. Das Beispiel zeigt die Besonderheit des deutschen Wahlrechts: Ein starkes Direktmandat kann einem Kandidaten den Einzug sichern, selbst wenn die Partei bundespolitisch verliert. 1998 gewann Schröder dann die Bundestagswahl und wurde Kanzler.

Häufige Fragen

Warum ist der Hochsauerlandkreis eine CDU-Hochburg?

Das Zusammenspiel aus katholischer Prägung, ländlicher Struktur, starkem Vereinsleben und wirtschaftlich stabilen Handwerksbetrieben begünstigt konservative Parteien. Die CDU profitiert zudem von langjährigen persönlichen Bindungen zwischen Kandidaten und Wählern.

Welche Rolle spielt Winterberg für den Wahlkreis?

Winterberg ist das touristische Aushängeschild: Bundesleistungszentrum für Wintersport, Weltcup-Austragungsort für Bob und Skeleton, Skigebiet mit überregionaler Anziehungskraft. Der Tourismus sichert tausende Arbeitsplätze in Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel.

Stammt Friedrich Merz aus dem Hochsauerlandkreis?

Ja. Friedrich Merz wurde in Brilon geboren und wuchs im Hochsauerlandkreis auf. Von 1994 bis 2009 vertrat er den Wahlkreis direkt im Bundestag. Die regionale Verbundenheit ist bis heute ein politischer Faktor.

Mehr dazu: SPD Umfragen · Umfrage-Institute
SonntagsfrageCDU/CSU25,7%SPD12,3%Grüne13,7%AfD25,7%BSW3,5%FDP3,3%Linke10,2%INSA · 08.04.BTW 2025CDU/CSU28,5%SPD20,5%Grüne11,6%AfD20,8%BSW5,0%FDP4,3%Linke3,8%FAZ Politik Ungarns Nähe zu Moskau: Und Orbán versprach Putin: Ich bin Dir zu DienstenFAZ Politik Elsass will mehr Rechte: Autonomie in Straßburg und ParisWelt Politik „Wir brauchen Planungssicherheit in der Reserve“Spiegel Politik News des Tages: Mario Adorf, der Zauberer. Donald Trumps Ultimatum.Welt Politik Flasche mit Aufschrift „Polonium“ bei Ostereiersuche gefunden – Ergebnis steht festSpiegel Politik Boris Pistorius: Kommunikationsdesaster und die Frage nach seiner TauglichkeitTagesschau Ankündigung von Merz: Deutschland will wieder Gespräche mit Iran aufnehmenFAZ Politik In Tschechien: Langjähriger Rechtsextremist Liebich gefasstWelt Politik Trump erhöht den Druck auf Europa – und fordert laut Bericht konkrete Zusagen einZDF heute Europas KI-AufholjagdSpiegel Politik München: Nach Tod von Surferin wächst Streit um Risiko am EisbachTagesschau Ein Jahr Koalitionsvertrag: Von Liebe, Brücken und Reformen
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