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Ehepaar diskutiert Politik im Wohnzimmer

Emnid — Geschichte des ältesten deutschen Umfrageinstituts

Key-Facts: Emnid

  • Gründung: 1945 in Bielefeld
  • Gründer: Karl-Georg von Stackelberg
  • Name: Erforschung der öffentlichen Meinung, Marktforschung, Nachrichten, Informationen und Dienstleistungen
  • Heute: Teil von Kantar (ehemals TNS Emnid)
  • Bekannt für: BamS-Sonntagsfrage, frühe Wahlumfragen ab 1949

Gründung 1945: Im Schatten des Kriegsendes

Als Karl-Georg von Stackelberg 1945 in Bielefeld das Emnid-Institut gründete, war Deutschland ein zerstörtes Land. Die Alliierten begannen gerade, demokratische Strukturen aufzubauen, und die Erforschung der öffentlichen Meinung wurde als wichtiges Instrument des Demokratisierungsprozesses betrachtet. Stackelberg, ein junger Sozialwissenschaftler, erkannte das Potenzial der Demoskopie nach amerikanischem Vorbild.

Der Name Emnid steht für „Erforschung der öffentlichen Meinung, Marktforschung, Nachrichten, Informationen und Dienstleistungen“ – ein Name, der die Breite des Angebots widerspiegelt. Von Anfang an war Emnid nicht nur ein Umfrageinstitut, sondern ein Dienstleister für die Medien, die Politik und die Wirtschaft.

Die frühen Jahre: Pioniersarbeit

In den späten 1940er und 1950er Jahren leistete Emnid Pionierarbeit in der deutschen Meinungsforschung. Zusammen mit dem Institut für Demoskopie Allensbach gehörte es zu den ersten Institutionen, die bei der Bundestagswahl 1949 Wahlumfragen durchführten.

Wahlumfrage-Auswertung am Laptop — Meinungsforschung und Sonntagsfrage Deutschland
Wahlumfragen liefern ein aktuelles Stimmungsbild der deutschen Bevölkerung.

Die Methoden waren simpel, aber effektiv: Face-to-Face-Interviews in Privathaushalten, standardisierte Fragebögen, manuell ausgewertete Ergebnisse. Die Interviewer waren oft Studenten, die von Haus zu Haus gingen. Die Stichprobenziehung erfolgte nach dem Quotenverfahren – die Interviewer mussten eine bestimmte Anzahl von Personen nach Alter, Geschlecht und Beruf befragen.

Emnid-Meilensteine im Überblick

Jahr Meilenstein
1945Gründung in Bielefeld durch Karl-Georg von Stackelberg
1949Erste Wahlumfrage zur Bundestagswahl
1950erEtablierung als führendes Markt- und Meinungsforschungsinstitut
1980erUmstellung auf Telefonumfragen (CATI)
1990Erste gesamtdeutsche Erhebungen nach der Wiedervereinigung
1999Übernahme durch TNS (Taylor Nelson Sofres)
2008TNS fusioniert mit Kantar – Umbenennung in TNS Emnid
2018Firmierung als Kantar – Marke Emnid wird schrittweise aufgegeben
Ehepaar plant Wahlentscheidung am Abend
Emnid prägte die deutsche Umfragelandschaft über Jahrzehnte – von Face-to-Face-Interviews bis zur digitalen Ära.

Die BamS-Sonntagsfrage: Emnids bekanntestes Produkt

Für viele Deutsche war Emnid vor allem durch die Sonntagsfrage der „Bild am Sonntag“ (BamS) bekannt. Jeden Sonntag veröffentlichte die auflagenstärkste Sonntagszeitung Deutschlands die Emnid-Umfrage – ein Ritual, das über Jahrzehnte Millionen Leser erreichte.

Die BamS-Sonntagsfrage war neben der Forsa-Umfrage im RTL-Trendbarometer eines der meistzitierten Stimmungsbilder der deutschen Politik. Politiker aller Parteien orientierten sich an den Werten – auch wenn die Umfragen offiziell nur als „Stimmungsbilder“ galten.

Methodik im Wandel

Emnid durchlief alle methodischen Phasen der deutschen Umfrageforschung. In den 1950ern und 1960ern dominierten Face-to-Face-Interviews. Ab den 1980er Jahren stellte das Institut auf CATI (Computer Assisted Telephone Interviewing) um – einen Technologiesprung, der schnellere Erhebungen bei geringeren Kosten ermöglichte.

In den 2000er Jahren integrierte Emnid zunehmend Online-Komponenten in seine Erhebungen. Als Teil von Kantar konnte das Institut auf eines der weltweit größten Online-Access-Panels zurückgreifen – ein entscheidender Vorteil in einer Zeit, in der die Erreichbarkeit per Telefon kontinuierlich sank.

Emnid vs. Allensbach: Der ewige Vergleich

Merkmal Emnid Allensbach
Gründung19451947
GründerKarl-Georg von StackelbergElisabeth Noelle-Neumann
AusrichtungMarkt- und MeinungsforschungAkademische Demoskopie
Methode (traditionell)Telefon + OnlineFace-to-Face (bis heute)
FrequenzWöchentlichMonatlich
HeuteTeil von KantarUnabhängig (Stiftung)

Die Rivalität zwischen Emnid und Allensbach prägte die deutsche Demoskopie-Geschichte. Wo Allensbach auf akademische Tiefe und methodische Sorgfalt setzte, stand Emnid für Schnelligkeit und breite Medienpräsenz. Beide Ansätze haben die deutsche Umfragelandschaft bereichert.

Das Ende der Marke Emnid

Die Übernahme durch TNS 1999 und die spätere Integration in Kantar führten zum schrittweisen Verschwinden der Marke Emnid. Seit 2018 firmiert das Institut nur noch als „Kantar“. Die BamS-Sonntagsfrage wird zwar weiterhin von Kantar durchgeführt, aber der Name Emnid taucht dabei kaum noch auf.

Für die deutsche Umfragegeschichte bleibt Emnid dennoch von zentraler Bedeutung: Als ältestes deutsches Meinungsforschungsinstitut hat es die Branche über fast sechs Jahrzehnte geprägt und Generationen von Demoskopen ausgebildet.

1972: Emnid trifft den Wahlabend auf 0,1 Prozentpunkte genau

Zur Bundestagswahl am 19. November 1972 gab Emnid um 18:00 Uhr seine Blitzprognose ab: SPD 45,8 Prozent, CDU/CSU 44,8 Prozent. Das tatsächliche Ergebnis lautete SPD 45,8 Prozent, CDU/CSU 44,9 Prozent. Die Abweichung betrug einen einzigen Zehntel-Prozentpunkt. Das Besondere: 1972 war die Wahl eine direkte Reaktion auf das Misstrauensvotum gegen Willy Brandt im April desselben Jahres, bei dem die Union nur haarscharf gescheitert war. In der Neuwahl gewann die SPD mit dem bis heute größten Stimmenanteil in ihrer Geschichte – und Emnid hatte das als einziges Institut korrekt vorhergesagt.

2005: Sonntagsfrage – die wichtigste Frage der Demoskopie und ihre Grenzen

Die Sonntagsfrage: "Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, welche Partei würden Sie wählen?" Das klingt einfach. Ist es nicht. Probleme: 30 Prozent der Befragten sind Unentschlossene. 15-20 Prozent lügen (Social-Desirability-Bias). 10 Prozent würden nicht wählen, geben aber eine Partei an. Die Institute gewichten die Antworten nach: Wahrscheinlichkeit der Wahlbeteiligung, historischen Mustern, Demografie. Jedes Institut gewichtet anders – deshalb unterscheiden sich Sonntagsfragen um bis zu 4 Prozentpunkte. Die Sonntagsfrage ist kein Blick in die Zukunft, sondern eine statistische Momentaufnahme.

Häufige Fragen

Wann wurde Emnid gegründet?

1945 in Bielefeld, von Karl-Georg von Stackelberg. Es ist das älteste deutsche Meinungsforschungsinstitut.

Wofür steht der Name Emnid?

Erforschung der öffentlichen Meinung, Marktforschung, Nachrichten, Informationen und Dienstleistungen.

Gibt es Emnid heute noch?

Emnid wurde 1999 von TNS übernommen und ist seit 2018 Teil von Kantar. Der Name Emnid wird kaum noch verwendet.

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SonntagsfrageCDU/CSU24,0%SPD13,0%Grüne13,8%AfD26,3%BSW3,8%FDP3,8%Linke10,3%YouGov · 15.04.BTW 2025CDU/CSU28,5%SPD20,5%Grüne11,6%AfD20,8%BSW5,0%FDP4,3%Linke3,8%Welt Politik „Es ist nicht nur unredlich, sondern auch unverschämt“Tagesschau Warkens Sparpaket: Was auf Patienten zukommen könnteWelt Politik Machtwechsel in Ungarn– Magyar kündigt Kurswechsel und Medienreformen anWelt Politik Beamte fordern 1000-Euro-Krisenbonus für öffentlichen Dienst – SPD findet es „richtig“FAZ Politik Liveblog Irankrieg: Trump: Denke nicht über Verlängerung der Waffenruhe nachFAZ Politik China und die USA: So stark belastet der Irankrieg die Beziehung zwischen Trump und XiFAZ Politik Meloni und der Irankrieg: Deswegen hat die „Trump-Flüsterin“ ihren Kurs geändertTagesschau Bund plant höhere Beamtenbesoldung - Milliardenkosten trotz SpardruckTagesschau Kritik an Sparplänen der Gesundheitsministerin - Patienten übermäßig belastet?

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