Die Linke — Linke Fraktion im EU-Parlament
Key-Facts: Die Linke (GUE/NGL)
- Offizieller Name: The Left in the European Parliament – GUE/NGL
- Sitze: 46 von 720
- Farbe: Dunkelrot (#8B0000)
- Ausrichtung: Links (Sozialismus, Demokratischer Sozialismus, Anti-Austerität)
- Co-Vorsitzende: Manon Aubry (LFI, Frankreich), Martin Schirdewan (Die Linke, Deutschland)
- Gründung: 1995 (als GUE/NGL)
- Deutsche Partei: Die Linke (3 Sitze)
Was ist Die Linke im EU-Parlament?
Die Fraktion The Left in the European Parliament – GUE/NGL ist der Zusammenschluss linker, sozialistischer und progressiver Parteien im Europäischen Parlament. Mit 46 Sitzen gehört sie zu den kleineren Fraktionen, vertritt aber ein breites Spektrum an linken Positionen – von demokratischen Sozialisten über kommunistische Parteien bis hin zu links-ökologischen Bewegungen. Die Kürzel GUE/NGL stehen für die französische (Gauche Unitaire Européenne) und die nordische Bezeichnung (Nordic Green Left).
An der Spitze der Fraktion stehen zwei Co-Vorsitzende: Manon Aubry von La France Insoumise aus Frankreich und Martin Schirdewan von Die Linke aus Deutschland. Dieses Tandem spiegelt die Tradition der Fraktion wider, Repräsentanten aus verschiedenen Teilen Europas in die Führung zu berufen.
Geschichte der Linken im EU-Parlament
Die Fraktion wurde 1995 unter dem Namen Konföderale Fraktion der Vereinigten Europäischen Linken/Nordische Grüne Linke gegründet. Ihre Wurzeln reichen jedoch weiter zurück: Bereits in den 1970er und 1980er Jahren gab es Zusammenschlüsse kommunistischer und sozialistischer Abgeordneter im Europäischen Parlament. Die heutige Form entstand durch die Fusion zweier Vorgängerfraktionen nach der EU-Erweiterung 1995.
Im Laufe der Jahrzehnte hat sich die Fraktion erheblich gewandelt. Während sie ursprünglich stark von kommunistischen Parteien geprägt war, umfasst sie heute ein deutlich breiteres Spektrum. Neue Bewegungen wie La France Insoumise, Podemos und Syriza haben der Fraktion frische Impulse gegeben und ihr Profil modernisiert. Die Eurokrise ab 2010 und die darauf folgende Austeritätspolitik brachten der Linken vorübergehend deutlichen Zulauf, insbesondere in Südeuropa.
Bei der Europawahl 2024 musste die Fraktion allerdings Verluste hinnehmen. Mit 46 Sitzen bleibt sie eine der kleineren Fraktionen im Parlament. Besonders der Rückgang von Syriza in Griechenland und die internen Schwierigkeiten der deutschen Linkspartei wirkten sich negativ aus.
Mitgliedsparteien und Zusammensetzung
Die Fraktion vereint Parteien aus zahlreichen EU-Mitgliedstaaten. Trotz unterschiedlicher Traditionen – von skandinavischen Linkssozialisten über südeuropäische Bewegungsparteien bis zu klassischen kommunistischen Parteien – eint sie der Einsatz für soziale Gerechtigkeit und eine kritische Haltung gegenüber der neoliberalen Wirtschaftspolitik der EU.
| Land | Partei | Sitze | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Frankreich | La France Insoumise (LFI) | 9 | Stärkste Delegation, Mélenchons Partei |
| Griechenland | SYRIZA | 4 | Radikale Linke |
| Deutschland | Die Linke | 3 | Demokratischer Sozialismus, Co-Vorsitz Schirdewan |
| Spanien | Podemos / Sumar | 3 | Demokratischer Sozialismus |
| Irland | Sinn Féin | 3 | Links-republikanisch |
| Belgien | PTB/PVDA | 2 | Marxistisch, Arbeiterpartei |
| Portugal | Bloco de Esquerda | 2 | Linkssozialismus |
| Portugal | PCP (Partido Comunista Português) | 2 | Kommunistische Partei |
| Weitere | Diverse (ca. 10 Länder) | 18 | FI, SE, DK, CY, IE u.a. |
Deutsche Perspektive
Aus Deutschland ist Die Linke mit 3 Abgeordneten in der Fraktion vertreten. Martin Schirdewan stellt als Co-Vorsitzender der Gesamtfraktion das prominenteste deutsche Mitglied. Nach der Abspaltung des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) 2024 ist die deutsche Delegation deutlich geschrumpft. Im Vergleich: Die stärkste Kraft der Fraktion ist La France Insoumise aus Frankreich mit 9 Sitzen – dreimal so viel wie Die Linke. Im deutschen Parteienspektrum steht Die Linke klar links von SPD und Grünen und deckt damit das am weitesten links stehende Segment ab, das im EU-Parlament vertreten ist.
Politische Positionen
Die Linke im EU-Parlament vertritt ein klar linkes Programm, das sich in mehreren Kernbereichen manifestiert:
Soziale Gerechtigkeit: Die Fraktion setzt sich für eine europäische Mindestlohnrichtlinie, stärkere Arbeitnehmerrechte und den Ausbau des Sozialstaats ein. Sie kritisiert die wachsende Ungleichheit in der EU und fordert eine Umverteilung von oben nach unten. Konkret beinhaltet dies Forderungen nach einer europäischen Vermögenssteuer und der Bekämpfung von Steuerflucht multinationaler Konzerne.
Anti-Austerität: Eines der zentralen Themen der Fraktion ist die Ablehnung der Sparpolitik, wie sie insbesondere während der Eurokrise von der Troika verordnet wurde. Die Linke plädiert stattdessen für öffentliche Investitionen, eine Reform des Stabilitäts- und Wachstumspaktes sowie eine aktivere Rolle der EZB bei der Finanzierung öffentlicher Güter.
Klimagerechtigkeit: Die Fraktion unterstützt ambitionierte Klimaziele, verbindet diese aber mit sozialer Gerechtigkeit. Klimaschutz dürfe nicht auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung gehen. Sie fordert einen gerechten Übergang (Just Transition), bei dem die Kosten der ökologischen Transformation von den Verursachern und nicht von einkommensschwachen Haushalten getragen werden.
Friedenspolitik: Die Linke vertritt eine klar friedenspolitische Linie. Sie lehnt Waffenexporte in Krisengebiete ab, kritisiert die Aufrüstung der EU und setzt sich für diplomatische Lösungen internationaler Konflikte ein. Die Fraktion steht der NATO kritisch gegenüber und fordert eine eigenständige europäische Friedens- und Sicherheitspolitik.
EU-Reform von links: Anders als EU-skeptische Parteien am rechten Rand strebt Die Linke keine Abschaffung der EU an, sondern eine grundlegende Reform. Die Fraktion kritisiert die demokratischen Defizite der europäischen Institutionen und fordert mehr Transparenz, eine Stärkung des EU-Parlaments gegenüber der Kommission sowie eine Abkehr von der Binnenmarkt-Logik hin zu einer sozialen Union.
Deutsche Vertretung: Die Linke
Aus Deutschland ist die Partei Die Linke mit 3 Abgeordneten in der Fraktion vertreten. Im deutschen Parteiensystem steht Die Linke traditionell für soziale Gerechtigkeit, Friedenspolitik und eine starke öffentliche Daseinsvorsorge. Nach der Abspaltung des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) im Jahr 2024 befindet sich die Partei in einer Umbruchphase.
Im EU-Parlament spielt Martin Schirdewan als Co-Vorsitzender der Fraktion eine zentrale Rolle. Er vertritt die Positionen der deutschen Linken auf europäischer Ebene und setzt sich insbesondere für Steuergerechtigkeit und die Bekämpfung von Steueroasen ein.
Bedeutung im EU-Parlament
Mit 46 von 720 Sitzen (6,4 %) ist Die Linke zahlenmäßig eine der kleinsten Fraktionen. Dennoch spielt sie eine wichtige Rolle als Opposition von links. In Ausschüssen wie dem für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten oder dem Umweltausschuss bringt sie regelmäßig Änderungsanträge ein. Bei Abstimmungen über Sozial- und Umweltthemen kooperiert die Fraktion häufig mit den Grünen/EFA und Teilen der S&D-Fraktion.
Europawahl 2024 vs. 2019 — Wie hat sich Die Linke verändert?
| Kennzahl | 2019 | 2024 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Sitze | 41 | 46 | +5 |
| Anteil (%) | 5,8 % | 6,4 % | +0,6 PP |
| Länder vertreten | ~14 | ~15 | — |
Die Linke konnte bei der Europawahl 2024 leicht zulegen – ein Ergebnis, das angesichts der Krise vieler linker Parteien in Europa nicht selbstverständlich ist. Der Zuwachs von fünf Sitzen ist vor allem auf den Erfolg von La France Insoumise in Frankreich zurückzuführen. Gleichzeitig verlor Syriza in Griechenland deutlich, und die deutsche Linkspartei schrumpfte nach der BSW-Abspaltung auf nur noch drei Sitze.
2021: The Left verliert deutsche Mitglieder – BSW-Gründung trifft EP-Fraktion
Die EP-Fraktion "The Left" (Linke/GUE-NGL) hatte bei der Wahl 2024 mit 46 Sitzen zwar leichte Verluste, blieb aber stabil. In Deutschland verlor Die Linke jedoch massiv: 4,9 Prozent bei der Bundestagswahl 2021, kein Einzug bei der EP-Wahl 2024 (2,7 Prozent). Das BSW, das sich 2023 von der Linken gespalten hatte, erzielte bei der EP-Wahl 2024 6,2 Prozent – und trat der Fraktion "The Left" nicht bei, sondern gründete eine eigene Gruppe. Die deutschen The-Left-Abgeordneten stammen heute nicht mehr von einer relevanten deutschen Partei. Die Fraktion lebt von spanischen Sumar, französischen La France Insoumise und griechischer Syriza.
Häufige Fragen
Wofür steht GUE/NGL?
GUE steht für Gauche Unitaire Européenne (Vereinigte Europäische Linke), NGL für Nordic Green Left (Nordische Grüne Linke). Der Name spiegelt die Gründungsgeschichte der Fraktion wider, die 1995 aus zwei Vorgängergruppen entstand. Seit 2021 tritt die Fraktion offiziell unter dem Namen The Left auf.
Ist Die Linke im EU-Parlament EU-feindlich?
Nein. Die Fraktion strebt keine Auflösung der EU an, sondern eine grundlegende Reform. Sie kritisiert die neoliberale Ausrichtung der EU-Politik und fordert stattdessen eine soziale, demokratische und friedliche Union. Damit unterscheidet sie sich deutlich von rechten EU-Skeptikern.
Welche deutschen Abgeordneten sitzen in der Fraktion?
Deutschland ist mit 3 Abgeordneten der Partei Die Linke vertreten. Martin Schirdewan ist als Co-Vorsitzender der Gesamtfraktion das prominenteste deutsche Gesicht.
Wie unterscheidet sich Die Linke von den Grünen/EFA?
Während die Grünen/EFA ihren Schwerpunkt auf Ökologie und regionale Selbstbestimmung legen, steht bei der Linken die soziale Frage im Vordergrund. Die Linke betont stärker Anti-Austerität, Arbeitnehmerrechte und Umverteilung. Beim Klimaschutz gibt es Überschneidungen, aber die Linke verknüpft ihn konsequenter mit sozialer Gerechtigkeit.
Wie hat sich die Fraktion bei der Europawahl 2024 entwickelt?
Die Fraktion musste Verluste hinnehmen und kam auf 46 Sitze. Besonders Syriza in Griechenland verlor deutlich. La France Insoumise aus Frankreich konnte hingegen Zugewinne verzeichnen und ist heute die stärkste Einzelpartei innerhalb der Fraktion.
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