Neue Version verfügbar

ID — Identität und Demokratie im EU-Parlament

Key-Facts: ID-Fraktion

  • Vollständiger Name: Identität und Demokratie (Identity and Democracy)
  • Sitze: 58 von 720 (8,1 %)
  • Farbe: Dunkelblau (#002654)
  • Ausrichtung: Rechtspopulistisch, EU-skeptisch
  • Vorsitz: Kein klarer Einzelvorsitz nach Umstrukturierung 2024
  • Gegründet: 2019 (Nachfolger der ENF)
  • Deutsche Partei: Keine – AfD wechselte 2024 zu PfE

Was ist die ID-Fraktion?

Die Fraktion Identität und Demokratie (ID) ist ein Zusammenschluss rechtspopulistischer und nationalistischer Parteien im Europäischen Parlament. Mit aktuell 58 Sitzen gehört sie zu den mittelgroßen Fraktionen und vertritt Positionen, die sich klar gegen eine vertiefte europäische Integration richten. Der Name ist Programm: Die ID-Fraktion setzt sich für den Erhalt nationaler Identitäten und eine Rückführung von Kompetenzen auf die Ebene der Mitgliedstaaten ein.

Nach den Umstrukturierungen im Zuge der Europawahl 2024 hat die Fraktion keinen klaren Einzelvorsitzenden mehr. Die Führung verteilt sich auf mehrere Delegationsleiter der verbliebenen Mitgliedsparteien. Dieser Zustand spiegelt die internen Veränderungen wider, die die Fraktion seit dem Weggang prominenter Mitglieder durchläuft.

Mitgliedsparteien – Wer sitzt in der ID-Fraktion?

Die ID-Fraktion vereint Parteien aus mehreren EU-Staaten. Nach dem Abgang des Rassemblement National (Frankreich) und der AfD (Deutschland) im Jahr 2024 hat sich die Zusammensetzung deutlich verändert. Die verbliebenen Kernparteien stammen überwiegend aus Süd- und Mitteleuropa.

LandParteiSitzeAnmerkung
ItalienLega8Größte verbliebene Delegation, Salvinis Partei
ÖsterreichFPÖ (Freiheitliche Partei Österreichs)6Rechtspopulistisch, national-konservativ
BelgienVlaams Belang3Flämisch-nationalistisch, separatistisch
TschechienSPD (Svoboda a přímá demokracie)2Rechtspopulistisch (nicht die deutsche SPD!)
Deutschland0AfD ging 2024 zur PfE-Fraktion
WeitereDiverse kleinere Rechtsparteien39Stark geschrumpft nach PfE-Abspaltung

Wichtiger Hinweis: Die tschechische SPD (Svoboda a přímá demokracie – Freiheit und direkte Demokratie) hat trotz der Abkürzung keinerlei Verbindung zur deutschen SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands). Es handelt sich um eine rechtspopulistische Partei unter Führung von Tomio Okamura.

Deutsche Perspektive

Seit 2024 ist keine deutsche Partei mehr in der ID-Fraktion vertreten. Die AfD war von 2019 bis 2024 Mitglied, wechselte nach ihrem Ausschluss jedoch zur neugegründeten PfE-Fraktion. Im deutschen Parteienspektrum lässt sich die verbliebene ID-Fraktion am ehesten am äußersten rechten Rand einordnen – eine exakte Entsprechung existiert nicht. Die Fraktion ist nach dem Weggang von RN und AfD zur kleinsten und am wenigsten einflussreichen Gruppierung am rechten Rand des EU-Parlaments geschrumpft.

Deutschland und die ID-Fraktion

Seit 2024 ist keine deutsche Partei mehr in der ID-Fraktion vertreten. Die Alternative für Deutschland (AfD) war von 2019 bis 2024 Mitglied, wurde jedoch im Vorfeld der Europawahl 2024 aus der Fraktion ausgeschlossen. Hintergrund waren umstrittene Äußerungen des AfD-Spitzenkandidaten Maximilian Krah. Anschließend schloss sich die AfD der neugegründeten Fraktion Patrioten für Europa (PfE) an.

Für deutsche Wähler bedeutet das: Es gibt keine direkte Möglichkeit mehr, über eine Bundestagspartei die ID-Fraktion im EU-Parlament zu stärken. Politisch lässt sich die ID-Fraktion im deutschen Spektrum am ehesten zwischen dem rechten Flügel der AfD und der NPD einordnen – eine exakte Entsprechung existiert allerdings nicht. Die Positionen gehen in Teilen über das hinaus, was selbst am rechten Rand des deutschen Parteiensystems vertreten wird.

Geschichte der ID-Fraktion

Die ID-Fraktion wurde im Juni 2019 nach der Europawahl gegründet und trat die Nachfolge der Fraktion Europa der Nationen und der Freiheit (ENF) an. Die Gründungsinitiative ging maßgeblich von der italienischen Lega unter Matteo Salvini und dem französischen Rassemblement National (RN) unter Marine Le Pen aus. Mit der Gründung gelang es erstmals, eine breite rechtspopulistische Fraktion mit Abgeordneten aus zahlreichen Mitgliedstaaten zu bilden.

In der Legislaturperiode 2019 bis 2024 zählte die ID-Fraktion zeitweise über 70 Mitglieder und war damit eine der stärkeren Oppositionsfraktionen. Allerdings war die Fraktion intern stets heterogen: Zwischen dem gemäßigteren Flügel um die Lega und radikaleren Positionen einzelner Delegationen kam es wiederholt zu Spannungen.

Der entscheidende Einschnitt kam 2024. Zunächst wurde die AfD-Delegation ausgeschlossen. Kurz darauf verließ das Rassemblement National – bis dahin die mit Abstand größte Delegation – die Fraktion und schloss sich gemeinsam mit Viktor Orbáns Fidesz der neuen Fraktion Patrioten für Europa (PfE) an. Damit verlor die ID-Fraktion auf einen Schlag ihre beiden mitgliedsstärksten Parteien und schrumpfte erheblich. Die verbliebenen 58 Sitze machen sie zur sechstgrößten Fraktion im Parlament.

Politische Positionen

Die programmatischen Schwerpunkte der ID-Fraktion lassen sich in vier Kernbereiche gliedern:

EU-Skeptizismus: Die ID-Fraktion lehnt eine vertiefte europäische Integration ab. Sie fordert die Rückgabe von Kompetenzen an die Mitgliedstaaten und wendet sich gegen Transfers von Souveränitätsrechten an Brüssel. Ein EU-Austritt wird von den meisten Mitgliedsparteien nicht aktiv gefordert, wohl aber eine grundlegende Reform der EU-Institutionen im Sinne eines losen Staatenbundes.

Nationale Identität: Der Schutz nationaler Kulturen, Traditionen und Sprachen steht im Zentrum des Selbstverständnisses. Die Fraktion betont das Recht der Völker auf kulturelle Selbstbestimmung und sieht Multikulturalismus als Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Anti-Immigration: Die ID-Fraktion vertritt eine restriktive Migrationspolitik. Sie fordert einen konsequenten Schutz der EU-Außengrenzen, die Begrenzung legaler Zuwanderung und eine schnellere Abschiebung abgelehnter Asylbewerber. Eine europäische Umverteilung von Flüchtlingen wird strikt abgelehnt.

Souveränität: Wirtschafts-, Steuer- und Sozialpolitik sollen nach Ansicht der ID-Fraktion vollständig in nationaler Hand bleiben. Gemeinsame Schulden, ein europäisches Steuersystem oder harmonisierte Sozialstandards werden abgelehnt.

Europawahl 2024 vs. 2019 — Wie hat sich die ID verändert?

Kennzahl20192024Veränderung
Sitze76~25−51
Anteil (%)10,7 %~3,5 %−7,2 PP
Länder vertreten~10~7

Die ID-Fraktion erlebte zwischen 2019 und 2024 den dramatischsten Wandel aller Fraktionen im EU-Parlament. Der Verlust von über 50 Sitzen geht fast vollständig auf den Abgang des Rassemblement National und der AfD zur neugegründeten PfE-Fraktion zurück. Die 58 Sitze in der obigen Key-Facts-Box beinhalten noch den Status vor der endgültigen Konsolidierung; real schrumpfte die ID auf rund 25 Abgeordnete und verlor damit den Großteil ihres politischen Gewichts.

Häufige Fragen

Warum ist die AfD nicht mehr in der ID-Fraktion?

Die AfD wurde im Juni 2024 aus der ID-Fraktion ausgeschlossen, nachdem umstrittene Äußerungen des Spitzenkandidaten Maximilian Krah für parteiübergreifende Kritik gesorgt hatten. Anschließend trat die AfD der neugegründeten Fraktion Patrioten für Europa (PfE) bei.

Was ist der Unterschied zwischen ID und PfE?

Beide Fraktionen sind rechtspopulistisch und EU-skeptisch. PfE wurde 2024 neu gegründet und vereint unter anderem das Rassemblement National, die AfD und Fidesz. ID ist die ältere Fraktion (seit 2019), hat aber durch den Weggang dieser Parteien an Gewicht verloren. PfE ist mit 86 Sitzen deutlich größer als ID mit 58 Sitzen.

Welche Rolle spielt die ID-Fraktion im Parlament?

Mit 58 von 720 Sitzen (8,1 %) ist die ID-Fraktion eine Oppositionsfraktion ohne direkte Regierungsbeteiligung auf EU-Ebene. Sie kann Abstimmungen nicht allein beeinflussen, bringt aber regelmäßig Anträge zu Migration, Souveränität und EU-Reform ein.

Gibt es eine deutsche Entsprechung zur ID-Fraktion?

Nicht direkt. Im deutschen Parteienspektrum lässt sich die ID-Fraktion am ehesten zwischen dem rechten Flügel der AfD und der ehemaligen NPD (heute Die Heimat) einordnen. Eine exakte Entsprechung existiert jedoch nicht, da die Mitgliedsparteien der ID sehr unterschiedliche nationale Kontexte haben.

SonntagsfrageCDU/CSU25,3%SPD13,3%Grüne14,0%AfD25,7%BSW3,5%FDP3,0%Linke10,3%INSA · 11.04.BTW 2025CDU/CSU28,5%SPD20,5%Grüne11,6%AfD20,8%BSW5,0%FDP4,3%Linke3,8%FAZ Politik Liveblog Wahl in Ungarn: „Ein Sieg für die Demokratie, nicht nur in Europa, sondern weltweit“Spiegel Politik Reformpaket: Die Koalition handelt. EndlichWelt Politik Windkraft-Subventionen kürzen? Damit ruft Reiche mehr als einen Aiwanger auf den PlanWelt Politik China fordert „ungehinderte“ Durchfahrt durch die Straße von HormusWelt Politik „Der Iran hat sich sein eigenes Schutzgeldsystem geschaffen“FAZ Politik Wut auf Leo XIV.: Trump will keinen Papst, der es wagt, ihn zu kritisierenSpiegel Politik »Verschiebebahnhof« und »vollkommen naiv« – Opposition und Verbände kritisieren Spritpläne der RegierungTagesschau Blitzermarathon: Polizei verstärkt Radarkontrollen in DeutschlandSpiegel Politik Donald Trump und die Abkehr von Europa: Wie seine Politik die deutsche Amerika-Lobby erschüttertTagesschau Koalition will Autofahrer durch Steuersenkung entlastenFAZ Politik Nach 125 Jahren: Australien ernennt erstmals Frau zur Heereschefin

Wahlumfrage-Benachrichtigungen

Sofort informiert bei neuen Umfragen — direkt im Browser, kein Spam.

Mehr erfahren →