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Tschechisches Parlament in Prag

Tschechien in der Europäischen Union

Key-Facts: Tschechien

  • Hauptstadt: Prag
  • Einwohner: 10,5 Millionen
  • EU-Parlamentssitze: 21
  • EU-Beitritt: 2004
  • Regierungschef: Petr Fiala
  • Regierungspartei: ODS (Občanská demokratická strana – Koalition SPOLU)

Tschechien ist seit 2004 Mitglied der Europäischen Union und zählt zu den wirtschaftlich stärksten Ländern Mitteleuropas. Mit einer Arbeitslosenquote, die regelmäßig die niedrigste der gesamten EU ist, und einer stark exportorientierten Industrie profitiert das Land erheblich vom Binnenmarkt. Politisch positioniert sich Tschechien als pragmatischer Partner, der europäische Integration befürwortet, aber seine Souveränität in bestimmten Bereichen – insbesondere bei der Währung und der Migrationspolitik – verteidigt.

Politisches System

Tschechien ist eine parlamentarische Republik. Der Präsident wird seit 2013 direkt gewählt und besitzt begrenzte exekutive Befugnisse, darunter die Ernennung des Premierministers und ein aufschiebenes Veto. Seit 2023 ist der ehemalige NATO-General Petr Pavel Präsident – ein Kontrast zu seinem Vorgänger Miloš Zeman.

Das Zweikammerparlament besteht aus der Abgeordnetenkammer (200 Sitze) und dem Senat (81 Sitze). Premierminister Petr Fiala (ODS) führt seit 2021 die Fünf-Parteien-Koalition SPOLU + PirSTAN. Die Regierung steht vor der Herausforderung, ihre knappe Mehrheit bis zu den nächsten Wahlen 2025 zu halten.

Die stärkste Oppositionskraft ist ANO unter dem Milliardär Andrej Babiš, der trotz laufender Strafverfahren in Umfragen führt. Die populistische ANO-Bewegung ist thematisch breit aufgestellt und schwer einzuordnen – sie gehört im EU-Parlament der liberalen Renew-Fraktion an.

Europawahl 2024

Bei der Europawahl 2024 errang ANO unter Babiš einen klaren Sieg. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 36 % und damit deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Tschechien entsendet 21 Abgeordnete.

Partei EU-Fraktion Stimmen (%) Sitze
ANORenew/PfE26,17
SPOLU (ODS/KDU/TOP09)EVP22,36
Píráti + STANGrüne/EFA8,72
MotoristéPfE6,82
Písek (SPD+Trikolora)Fraktionslos5,51
STACITEKR5,11
Sonstige25,52

Tschechiens Rolle in der EU

Tschechien gehört zum Schengen-Raum, hat aber den Euro bisher nicht eingeführt – die Tschechische Krone (CZK) bleibt die Landeswährung. Ein Euro-Beitritt wird von der Bevölkerung mehrheitlich abgelehnt und steht politisch nicht auf der Agenda.

Die tschechische Wirtschaft ist eine der am stärksten integrierten in der EU: Über 80 % der Exporte gehen in den Binnenmarkt, wobei Deutschland mit Abstand der wichtigste Handelspartner ist. Die Automobilindustrie (Skoda/Volkswagen, Hyundai, Toyota) bildet das Rückgrat der Wirtschaft. Tschechien hat die niedrigste Arbeitslosenquote der gesamten EU – regelmäßig unter 3 %.

Im zweiten Halbjahr 2022 übernahm Tschechien die EU-Ratspräsidentschaft und setzte Schwerpunkte bei der Ukraine-Unterstützung, Energiesicherheit und EU-Erweiterung. Unter Fiala positioniert sich Prag als zuverlässiger transatlantischer Partner und starker Befürworter der Ukraine – eine Kehrtwende gegenüber der russlandfreundlicheren Linie unter Zeman.

2009: Vaclav Klaus blockiert Lissabon-Vertrag – letzter Widerstand gegen EU-Vertragsreform

Tschechien war das letzte EU-Mitglied, das den Lissabon-Vertrag ratifizierte. Ministerpraesident Vaclav Klaus, bekannter EU-Skeptiker, verweigerte monatelang die Unterschrift. Im Oktober 2009 stellte er eine Bedingung: Tschechien brauche eine Ausnahme von der EU-Grundrechtecharta, um Klagen sudetendeutscher Vertriebener auszuschliessen. Die EU-Partner akzeptierten; Klaus unterzeichnete am 3. November 2009. Der Lissabon-Vertrag trat am 1. Dezember 2009 in Kraft. Klaus war das politische Gesicht des tschechischen EU-Skeptizismus; sein Nachfolger Milos Zeman und Petr Pavel (ab 2023) sind EU-freundlicher, aber Tschechien bleibt ausserhalb der Eurozone.

Häufige Fragen

Warum hat Tschechien nicht den Euro?

Obwohl Tschechien vertraglich zur Euro-Einführung verpflichtet ist, gibt es kein Zieldatum. Die Bevölkerung lehnt den Euro mehrheitlich ab, und die starke Tschechische Krone sowie die flexible Geldpolitik der Nationalbank gelten als Vorteile, die man nicht aufgeben möchte.

Wer ist Andrej Babiš?

Babiš ist ein slowakisch-tschechischer Milliardär und Gründer der populistischen Bewegung ANO. Er war 2017–2021 Premierminister und ist trotz eines Subventionsbetrugs-Verfahrens (Freispruch 2023) der populärste Politiker. Seine ANO führt in allen Umfragen vor den Wahlen 2025.

Was ist die Visegrád-Gruppe?

Die V4 umfasst Tschechien, Polen, die Slowakei und Ungarn. Unter Fiala hat Tschechien Distanz zu Orbáns Kurs aufgebaut und sucht stärker die Zusammenarbeit mit Westeuropa, insbesondere bei der Ukraine-Politik.

SonntagsfrageCDU/CSU25,7%SPD12,3%Grüne13,7%AfD25,7%BSW3,5%FDP3,3%Linke10,2%INSA · 08.04.BTW 2025CDU/CSU28,5%SPD20,5%Grüne11,6%AfD20,8%BSW5,0%FDP4,3%Linke3,8%Welt Politik „Sieht nach nächstem transatlantischen Krach aus“Spiegel Politik NRW-Ministerin Ina Scharrenbach: Vorwürfe von Machtmissbrauch bleiben interne SacheFAZ Politik Dienste für Putin: Orbán ist ein Ärgernis, aber über ihn entscheiden Ungarns WählerWelt Politik „Werden weiterhin die Hisbollah überall dort angreifen, wo es nötig ist“, bekräftigt NetanjahuWelt Politik Mann verschanzt sich in Bankfiliale und löst Großeinsatz ausTagesschau Untergetauchte Rechtsextremistin Liebich in Tschechien gefasstFAZ Politik Liveblog Irankrieg: Netanjahu kündigt direkte Verhandlungen mit Libanon anSpiegel Politik USA, Donald Trump und Marco Rubio: Warum Standorte wie Ramstein entscheidend sindFAZ Politik Deutschland-Liveblog: Merz: Koalition uneinig über EntlastungenSpiegel Politik News des Tages: Mario Adorf, der Zauberer, Donald Trumps Ultimatum, russische U-BooteTagesschau Ankündigung von Merz: Deutschland will wieder Gespräche mit Iran aufnehmenZDF heute Europas KI-AufholjagdTagesschau Ein Jahr Koalitionsvertrag: Von Liebe, Brücken und Reformen
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