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Dublin — Leinster House, Sitz des irischen Parlaments

Irland in der EU — Wahlen & Politik

Key-Facts: Irland

  • Hauptstadt: Dublin
  • Einwohner: 5,1 Millionen
  • EU-Sitze: 14
  • EU-Beitritt: 1973
  • Regierungschef: Simon Harris (Taoiseach)
  • Regierungspartei: Fine Gael (Koalition mit Fianna Fáil)
  • Währung: Euro (€, seit 2002)

Irland ist seit 1973 Mitglied der Europäischen Union und gilt als eines der größten Erfolgsbeispiele der europäischen Integration. Vom „ärmsten Land Westeuropas“ in den 1970er-Jahren wandelte sich die Inselrepublik zum „Keltischen Tiger“ mit einem der höchsten BIP-pro-Kopf-Werte der EU. Der Brexit hat Irland als einziges EU-Land mit einer Landgrenze zu Großbritannien in eine besondere Lage gebracht.

Politisches System

Irland ist eine parlamentarische Republik mit dem Präsidenten (Michael D. Higgins) als Staatsoberhaupt. Das Zweikammerparlament (Oireachtas) besteht aus dem Dáil Éireann (160 Sitze, Unterhaus) und dem Seanad Éireann (60 Sitze, Senat). Der Taoiseach (Premierminister) wird vom Dáil gewählt.

Die irische Politik wird traditionell von zwei zentristischen Parteien dominiert: Fine Gael und Fianna Fáil. Beide entstanden aus dem irischen Bürgerkrieg der 1920er-Jahre und unterscheiden sich ideologisch kaum. Seit 2020 regieren sie erstmals gemeinsam in einer Koalition. Sinn Féin, die linke Partei mit historischen Verbindungen zur nordirischen IRA, ist zur stärksten Oppositionskraft aufgestiegen. Simon Harris (Fine Gael) wurde 2024 jüngster Taoiseach in der Geschichte Irlands.

Europawahl 2024

Irland wählte bei der Europawahl 2024 insgesamt 14 Abgeordnete — einen mehr als zuvor, bedingt durch die Neuverteilung nach dem Brexit. Die Wahlbeteiligung lag bei 49,7 %. Bemerkenswert war der Erfolg unabhängiger Kandidaten, ein typisch irisches Phänomen.

ParteiEU-FraktionSitze 2024Sitze 2019Veränderung
Fine GaelEVP44±0
Fianna FáilRenew22±0
Sinn FéinDie Linke21+1
Independents (Unabhängige)Diverse33±0
LabourS&D10+1
Green PartyGrüne/EFA12−1
Social DemocratsS&D10+1

EU-Rolle

Irland trat 1973 gemeinsam mit Großbritannien und Dänemark der EWG bei. Die EU-Mitgliedschaft transformierte das Land grundlegend: EU-Struktur-fonds finanzierten Straßen, Universitäten und Infrastruktur. Vom Nettoempfänger entwickelte sich Irland in den 2000er-Jahren zum Nettozahler.

Irlands niedrige Unternehmenssteuer von 12,5 % (seit 2024 auf 15 % für Großunternehmen angehoben) machte das Land zum europäischen Hauptsitz von Apple, Google, Meta, Microsoft und Pfizer. Der Technologie- und Pharmasektor dominiert die irische Wirtschaft und verzerrt das BIP-pro-Kopf erheblich nach oben.

Der Brexit hatte für Irland besondere Konsequenzen: Die Grenze zwischen der Republik Irland und Nordirland (UK) ist die einzige EU-Landgrenze zu Großbritannien. Das Nordirland-Protokoll und der spätere Windsor-Rahmen sorgen dafür, dass Nordirland de facto im EU-Binnenmarkt für Waren verbleibt — eine einzigartige Konstruktion. Irland war in den Brexit-Verhandlungen einer der entschiedensten Verteidiger der EU-Position.

12. Juni 2008: Das irische Nein, das Europa zum Stillstand brachte

Am 12. Juni 2008 stimmten die Iren mit 53,4 % gegen den Lissabon-Vertrag — und lösten damit eine EU-weite Krise aus. Irland war das einzige EU-Land, das per Verfassung eine Volksabstimmung abhalten musste. 26 andere Mitgliedstaaten ratifizierten den Vertrag parlamentarisch, ohne ihre Bürger zu fragen. Die irische Bevölkerung tat es — und sagte Nein. Großbritannien und andere Länder, die unter Druck auf eigene Referenden verzichtet hatten, beobachteten die Lage mit stiller Schadenfreude.

Was folgte, war politisch brisant: Irland verhandelte mit der EU eine Reihe von „rechtlich verbindlichen Garantien“, die klarstellten, dass Lissabon die irische Neutralität, das Abtreibungsrecht und die Steuerhoheit nicht berühre. Einen inhaltlich veränderten Vertrag gab es nicht. Am 2. Oktober 2009 stimmten die Iren erneut ab — diesmal mit 67,1 % Ja. Kritiker sprachen von einem „Vote until you get it right“-Prinzip der EU. Befürworter argumentierten, die Garantien hätten echte Bedenken ausgehäumt. Der Lissabon-Vertrag trat am 1. Dezember 2009 in Kraft. Das Doppelreferendum blieb ein Präzedenzfall — und ein Argument für alle, die seither fordern, dass die EU Volksabstimmungen ernst nehmen müsse. Das britische Brexit-Referendum 2016 war ein spätes Echo dieser Frage.

Häufige Fragen

Wie hat der Brexit Irland beeinflusst?

Der Brexit machte die irisch-nordirische Grenze zur EU-Außengrenze. Um eine harte Grenze auf der Insel zu vermeiden (was den Friedensprozess gefährdet hätte), wurde das Nordirland-Protokoll ausgehandelt. Irland profitierte zudem von Firmenverlagerungen aus London nach Dublin.

Warum ist Irland bei Tech-Unternehmen so beliebt?

Irland kombiniert eine niedrige Unternehmenssteuer (15 %), Englisch als Amtssprache, EU-Binnenmarktzugang, eine junge, gut ausgebildete Bevölkerung und eine unternehmensfreundliche Regulierung. Dublin ist nach London der zweitwichtigste Tech-Hub in Europa.

Ist Irland in der NATO?

Nein, Irland ist militärisch neutral und kein NATO-Mitglied. Diese Neutralität hat historische Wurzeln in der Unabhängigkeit von Großbritannien. Irland beteiligt sich allerdings an EU-Friedensmissionen und an der NATO-Partnerschaft für den Frieden (PfP).

SonntagsfrageCDU/CSU25,3%SPD13,3%Grüne14,0%AfD25,7%BSW3,5%FDP3,0%Linke10,3%INSA · 11.04.BTW 2025CDU/CSU28,5%SPD20,5%Grüne11,6%AfD20,8%BSW5,0%FDP4,3%Linke3,8%Welt Politik „Es werden Steuergelder mobilisiert, die man woanders besser gebrauchen könnte“FAZ Politik Migration und Gewalt: Den inneren Frieden sichernFAZ Politik Merz und die Erwartungen: Eine Koalition der blanken NervenWelt Politik „Anders als Ursula von der Leyen kann man Orbán abwählen“FAZ Politik Nach Belästigungsvorwürfen: Mansoori entlässt seinen engsten politischen VertrautenSpiegel Politik AfD: Rüdiger Lucassen zum Rückzug gedrängtTagesschau Verteidigungspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion zurückgetretenWelt Politik „Ungarns Platz ist in Europa“ – Warum Russland für den neuen Premier dennoch wichtig bleibtTagesschau "Soziale Schieflage": Deutliche Kritik an Entlastungsplänen der KoalitionSpiegel Politik Friedrich Merz und Katherina Reiche: Machtkampf in der Energiepreis-KriseSpiegel Politik Mecklenburg-Vorpommern: Die AfD ist nicht zu stoppen? Das glaubt nicht mal die AfD

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