Europawahl — Ergebnisse, Wahlbeteiligung und Ausblick
Key-Facts Europawahl
- Letzte Wahl: 6.–9. Juni 2024
- Nächste Wahl: voraussichtlich Juni 2029
- Wahlberechtigte: ca. 400 Millionen
- Wahlbeteiligung 2024: 51,0 %
- Sitze: 720 (zuvor 705)
- Wahlalter DE: 16 Jahre (erstmals 2024)
Die Europawahl ist die größte transnationale demokratische Wahl der Welt. Alle fünf Jahre wählen Bürger aus 27 EU-Mitgliedstaaten ihre Vertreter im Europäischen Parlament. Die letzte Europawahl fand im Juni 2024 statt – mit historischen Verschiebungen nach rechts und einer leicht gestiegenen Wahlbeteiligung.
In Deutschland durften bei der Europawahl 2024 erstmals 16-Jährige wählen. Die Zahl der Sitze wurde von 705 auf 720 erhöht, um die Bevölkerungsentwicklung in den Mitgliedstaaten abzubilden.
9. Juni 2029
Ergebnis Europawahl 2024
Die Europawahl 2024 brachte deutliche Gewinne für rechte und rechtspopulistische Parteien. Die EVP blieb stärkste Kraft und baute ihre Führung aus. Die neue Fraktion „Patrioten für Europa“ (PfE) wurde direkt drittsärkste Kraft. Grüne und Liberale verloren deutlich.
| Fraktion | Sitze 2024 | Sitze 2019 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| EVP | 188 | 182 | +6 |
| S&D | 136 | 147 | −11 |
| PfE | 86 | – | neu |
| EKR | 78 | 62 | +16 |
| Renew | 77 | 102 | −25 |
| ID | 58 | 76 | −18 |
| Grüne/EFA | 53 | 74 | −21 |
| Die Linke | 46 | 37 | +9 |
| Fraktionslos | 33 | 25 | +8 |
Quelle: Europäisches Parlament. PfE wurde erst nach der Wahl im Juli 2024 gegründet. Sitze 2019 beziehen sich auf die alte Sitzanzahl (705).
Wahlbeteiligung pro Land (2024)
Die durchschnittliche Wahlbeteiligung lag 2024 bei 51,0 % – leicht über dem historischen Tiefpunkt. Die Beteiligung variiert stark: Belgien und Luxemburg haben Wahlpflicht (über 85 %), während in der Slowakei nur rund 35 % wählten.
| Land | Beteiligung 2024 | Beteiligung 2019 | Trend |
|---|---|---|---|
| Belgien* | 89,0 % | 88,5 % | +0,5 |
| Luxemburg* | 82,3 % | 84,1 % | −1,8 |
| Deutschland | 64,8 % | 61,4 % | +3,4 |
| Frankreich | 51,5 % | 50,1 % | +1,4 |
| Spanien | 49,2 % | 60,7 % | −11,5 |
| Italien | 49,7 % | 54,5 % | −4,8 |
| Polen | 40,7 % | 45,7 % | −5,0 |
| Österreich | 56,3 % | 59,8 % | −3,5 |
| Niederlande | 46,8 % | 41,9 % | +4,9 |
| EU-Durchschnitt | 51,0 % | 50,7 % | +0,3 |
*Wahlpflicht. Quellen: Europäisches Parlament, nationale Wahlbehörden.
Gewinner und Verlierer 2024
Gewinner: EVP (+6 Sitze, bleibt dominant), EKR (+16, stärkster Zuwachs), PfE (86 Sitze, neu), Die Linke (+9).
Verlierer: Renew (−25, größter Verlust), Grüne (−21), ID (−18, durch Abspaltung PfE), S&D (−11).
Wahlbeteiligung bei Europawahlen seit 1979
| Jahr | Wahlbeteiligung EU | Wahlbeteiligung DE | Stärkste Fraktion |
|---|---|---|---|
| 1979 | 61,99 % | 65,7 % | Sozialisten |
| 1984 | 58,98 % | 56,8 % | Sozialisten |
| 1989 | 58,41 % | 62,3 % | Sozialisten |
| 1994 | 56,67 % | 60,0 % | PSE (Sozialisten) |
| 1999 | 49,51 % | 45,2 % | EVP |
| 2004 | 45,47 % | 43,0 % | EVP |
| 2009 | 42,97 % | 43,3 % | EVP |
| 2014 | 42,61 % | 48,1 % | EVP |
| 2019 | 50,66 % | 61,4 % | EVP |
| 2024 | 51,05 % | 64,8 % | EVP |
Die Wahlbeteiligung bei Europawahlen sank von 1979 bis 2014 kontinuierlich, erlebte aber seit 2019 eine deutliche Trendwende. Der Anstieg wird auf die zunehmende Politisierung europäischer Themen (Brexit, Klimapolitik, Migration) zurückgeführt. Deutschland liegt seit 2019 deutlich über dem EU-Durchschnitt – ein Zeichen dafür, dass die Europawahl hierzulande an Relevanz gewonnen hat.
Wussten Sie?
- Die Europawahl ist die zweitgrößte demokratische Wahl der Welt – nur in Indien wählen mehr Menschen.
- Seit 1979 wird das EU-Parlament direkt gewählt. Zuvor wurden die Abgeordneten von den nationalen Parlamenten entsandt.
- In Belgien, Luxemburg und Griechenland gilt Wahlpflicht – daher die hohe Beteiligung in diesen Ländern.
- 2024 durften in Deutschland erstmals 16-Jährige bei einer Europawahl abstimmen. In Belgien, Malta und Österreich war das bereits zuvor möglich.
- Die EVP stellt seit 1999 ununterbrochen die stärkste Fraktion im EU-Parlament – und seit 2019 auch die Kommissionspräsidentin.
- Es gibt kein einheitliches EU-Wahlrecht: Jedes Land wählt nach eigenem Wahlgesetz. Gemeinsam ist nur das Verhältniswahlrecht.
Ausblick: Europawahl 2029
Die nächste Europawahl wird voraussichtlich im Juni 2029 stattfinden. Noch ist es zu früh für Prognosen, aber die politischen Trends der letzten Jahre – Stärkung rechter Parteien, Rückgang der Grünen, volatile Wahlbeteiligung – könnten sich fortsetzen. Diskutiert wird auch ein einheitliches EU-Wahlrecht mit transnationalen Listen.
2024: Europawahl mit 16-Jaehrigen – Deutschland senkt Wahlalter und erntet Rekordbeteiligung
Bei der Europawahl am 9. Juni 2024 durften in Deutschland erstmals 16- und 17-Jaehrige abstimmen – rund 1,4 Millionen zusaetzliche Waehler. Laut Infratest-dimap-Nachwahlbefragung gaben 52 Prozent der Erstwaehler ihre Stimme an Gruene (17%), SPD (16%) oder CDU/CSU (19%). Die AfD erhielt bei Erststimmen dieser Altersgruppe 16 Prozent – ein niedrigerer Wert als in der Gesamtbevoelkerung (15,9%). Die Beteiligung lag bei 64,8 Prozent – der hoechste Wert bei einer deutschen Europawahl seit 1994.
Häufige Fragen
Wann ist die nächste Europawahl?
Die nächste Europawahl findet voraussichtlich im Juni 2029 statt. Der genaue Termin wird vom Rat der EU festgelegt.
Wer darf bei der Europawahl wählen?
Alle EU-Bürger mit Wohnsitz in einem Mitgliedstaat. In Deutschland gilt seit 2024 ein Wahlalter von 16 Jahren. In den meisten anderen Ländern liegt es bei 18 Jahren.
Wie hoch war die Wahlbeteiligung 2024?
Die durchschnittliche Wahlbeteiligung lag bei 51,0 %. In Deutschland betrug sie 64,8 % – deutlich über dem EU-Schnitt.
Weiterlesen
AfD gleichauf mit der Union
Deutschlands Innenpolitik und ihr Einfluss auf Europa.
Europawahl 2024
Detailliertes Ergebnis mit allen Fraktionen.
EU-Parlament
Sitzverteilung und Fraktionen.
EU-Karte
Alle 27 Mitgliedsländer interaktiv.
Alle Fraktionen
9 Fraktionen im EU-Parlament – Sitze, Positionen, Vergleich.
EVP-Fraktion
Stärkste Fraktion: CDU/CSU-Schwesterpartei mit 188 Sitzen.
EU-Wahlsystem
Verhältniswahlrecht, Sperrklauseln und nationale Besonderheiten.