Gotha — Residenzstadt und Geburtsort der SPD
Key-Facts: Gotha
- Einwohner: 45.000
- Bundesland: Thüringen
- Wahlkreis: Gotha – Ilm-Kreis (192)
- Besonderheit: Schloss Friedenstein, SPD-Gründung 1875, Gothaer Versicherung (1820), Ekhof-Theater
Am 22. Mai 1875 geschah in Gotha etwas Historisches: Zwei verfeindete Arbeiterparteien — der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV) und die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) — schlossen sich zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands zusammen. Es war die Geburt dessen, was später die SPD werden sollte. Das „Gothaer Programm“ war das erste gemeinsame Parteiprogramm der deutschen Arbeiterbewegung.
Ironischerweise ist die SPD heute in ihrer Geburtsstadt fast bedeutungslos. Gotha wählt AfD und CDU — die Partei, die hier gegründet wurde, kämpft um einstellige Ergebnisse. Geblieben ist das Schloss Friedenstein — der größte frühbarocke Schlossbau Deutschlands, der majestätisch über der Stadt thront und das Ekhof-Theater beherbergt: das älteste Barocktheater der Welt mit funktionierender Originalmaschinerie.
Bundestagswahl 2025 in Gotha
Der Wahlkreis Gotha–Ilm-Kreis folgt dem Thüringer Muster: AfD vorne, CDU auf Platz zwei, der Rest weit dahinter.
| Partei | Gotha – Ilm-Kreis (192) |
|---|---|
| AfD | 32,4% |
| CDU | 25,8% |
| BSW | 12,1% |
| SPD | 9,4% |
| Linke | 7,6% |
| Grüne | 4,8% |
| FDP | 3,6% |
Die AfD holte 32,4% und wurde stärkste Kraft. Die SPD kam in ihrer Geburtsstadt auf gerade 9,4% — ein historisches Tief. Das BSW profitierte mit 12,1% von ehemaligen Linke-Wählern. In Gotha selbst lag die AfD leicht unter dem Kreisschnitt, aber immer noch klar vorne.
Gothaer Versicherung und Residenz-Erbe
Gotha war einst ein Name, der in ganz Europa bekannt war. Der Gothaische Hofkalender — das „Telefonbuch des Adels“ — wurde hier verlegt. Die Gothaer Versicherung, 1820 als erste deutsche Versicherung auf Gegenseitigkeit gegründet, trug den Stadtnamen in die Finanzwelt. Beide sind längst nicht mehr in Gotha angesiedelt, aber der Name wirkt nach.
Heute ist Gothas größte Hoffnung das Schloss Friedenstein und der Kulturtourismus. Die Stadt investiert in die Restaurierung des Schlosses und bewirbt sich um den UNESCO-Welterbe-Status. Ob der Tourismus reicht, um die wirtschaftliche Schwäche der Region aufzufangen, ist offen — politisch jedenfalls hat die AfD dort die größere Anziehungskraft als historische Schlösser.
Lage
1875: Gotha-Programm der SPD – Gruendungskongress der deutschen Sozialdemokratie
Am 25. Mai 1875 vereinigten sich in Gotha der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein und die Sozialdemokratische Arbeiterpartei zum ersten gemeinsamen Kongress – und gruendeten damit die SPD in ihrer modernen Form. Das Gothaer Programm war das erste einheitliche Parteiprogramm. Karl Marx kritisierte es scharf als zu reformistisch (Kritik des Gothaer Programms, 1875). Dennoch wurde Gotha zum Gruendungsort der deutschen Sozialdemokratie. Heute ist Gotha CDU-Hochburg: Bei der Bundestagswahl 2021 erzielte die CDU 22,5 Prozent, die AfD 23,1 Prozent. Die SPD, deren Partei hier gegruendet wurde, kam auf 16,8 Prozent – ein historisches Paradoxon.
Häufige Fragen
Warum wurde die SPD in Gotha gegründet?
1875 schlossen sich hier ADAV und SDAP zur Sozialistischen Arbeiterpartei zusammen — dem Vorläufer der heutigen SPD. Das „Gothaer Programm“ war das erste gemeinsame Parteiprogramm.
Was ist Schloss Friedenstein?
Der größte frühbarocke Schlossbau Deutschlands (1643–1654). Er beherbergt Museen und das Ekhof-Theater — das älteste Barocktheater der Welt mit Originalmaschinerie.
Was hat die Gothaer Versicherung mit Gotha zu tun?
Sie wurde 1820 hier als erstes deutsches Versicherungsunternehmen auf Gegenseitigkeit gegründet. Der Hauptsitz zog später nach Köln, der Name blieb.
Weiterlesen
Alle 16 Bundesländer
Sonntagsfragen, Koalitionen und Landtags-Umfragen im Überblick.
Aktuelle Sonntagsfrage
Alle Wahlumfragen zur Bundestagswahl auf einen Blick.
Wahlkreise
299 Bundestagswahlkreise mit Erst- und Zweitstimme.
Wahlsystem erklärt
Erststimme, Zweitstimme und 5%-Hürde – das deutsche Wahlsystem.
Koalitionsanalyse
Was aktuelle Umfragen für mögliche Koalitionen bedeuten.