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Bundestag Flur Politiker FDP Kubicki Kandidatur Vorsitz

Kubicki will FDP-Chef werden — Wer ist der Mann, der die Liberalen retten soll?

Key-Facts: Kubicki und die FDP-Krise 2026

  • Kandidatur: Angekündigt am 4. April 2026 für Parteitag Ende Mai
  • Gegenkandidaten: Christian Dürr (amtierender Vorsitzender), Henning Höne (NRW)
  • FDP BTW 2025: 4,3 % — außerparlamentarisch seit März 2025
  • Aktuelle Umfragen: 3–3,5 %
  • Kubicki: 73 Jahre, Rechtsanwalt, FDP-Mitglied seit 1971
  • Geplanter Generalsekretär: Martin Hagen (Bayern)

Am 4. April 2026 hat Wolfgang Kubicki das getan, was viele in der FDP schon lange erwartet hatten: Der frühere Bundestagsvizepräsident kündigte seine Kandidatur für den Parteivorsitz an. Beim Parteitag Ende Mai will er die Nachfolge von Christian Dürr antreten — einer Partei, die in Umfragen bei drei Prozent dümpelt und zum zweiten Mal in ihrer Geschichte außerparlamentarisch ist.

Was passiert gerade bei der FDP?

Die FDP steckt in ihrer schwersten Krise seit den 1950er Jahren. Mit 4,3 Prozent bei der Bundestagswahl 2025 verpasste die Partei erstmals seit 2013 wieder den Einzug in den Bundestag. Die Ursache: das Zerbrechen der Ampel-Koalition im November 2024, der Rücktritt von Parteichef Christian Lindner und eine Wählerschaft, die der FDP nach vier Jahren Regierungsbeteiligung die Quittung präsentierte.

Lindners Nachfolger Christian Dürr übernahm den Vorsitz im Mai 2025 — mit breiter Zustimmung von 82 Prozent beim Parteitag. Doch Dürrs Führung konnte den Absturz nicht stoppen. Die Umfragen sanken weiter, auf 3 bis 3,5 Prozent. Nach Wahlniederlagen bei Landtagswahlen im März 2026 trat die gesamte Parteiführung zurück. Die FDP sucht ihren dritten Vorsitzenden innerhalb von eineinhalb Jahren.

Wer ist Wolfgang Kubicki?

Wolfgang Kubicki ist seit 1971 in der FDP — länger als viele Parteifreunde überhaupt politisch aktiv sind. 1952 in Braunschweig geboren, studierte er Volkswirtschaft und Jura in Kiel. Seit 1985 arbeitet er als Rechtsanwalt, vor allem im Strafrecht. Sein erstes Bundestagsmandat hatte er 1990 bis 1992, bevor er zurück nach Schleswig-Holstein wechselte.

Wählerinnen und Wähler im Wahllokal bei der Stimmabgabe — Demokratie in Deutschland
Im Wahllokal: Bürgerinnen und Bürger geben ihre Stimme ab.

Für 25 Jahre prägte Kubicki die FDP im Norden: Von 1996 bis 2017 war er Fraktionsvorsitzender der Schleswig-Holstein-FDP im Kieler Landtag. Er führte die Partei durch Zeiten, in denen sie bundesweit für tot erklärt wurde — und hielt sie im Norden am Leben. 2017 kehrte er in den Bundestag zurück, wurde stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Bundestagsvizepräsident. Dieses Amt behielt er bis zum Ende der 20. Wahlperiode 2025.

Kubicki gilt als das, was man in der Parteipolitik einen "freien Geist" nennt: medienwirksam, streitbar, gelegentlich unbequem für die eigene Partei. Er kritisierte die Russland-Sanktionspolitik, warb für die Cannabislegalisierung und eckte mit pointierten Äußerungen zur Außenpolitik an. Innerhalb der FDP repräsentiert er einen dezidiert bürgerlich-liberalen Kurs — weniger marktliberal als Lindner, weniger staatsfern als die FDP-Orthodoxie der 2000er Jahre.

Politikergespräch im Bundestag — FDP Kubicki Kandidatur Parteivorsitz 2026
Im Bundestag kennt Kubicki jeden Gang: Als Vizepräsident prägte er die 19. und 20. Wahlperiode — jetzt will er die außerparlamentarische FDP führen.

Die Ampel: Was wirklich schiefgelaufen ist

Um Kubickis Kandidatur zu verstehen, muss man das Scheitern der Ampel verstehen. Die Koalition aus SPD, Grünen und FDP — angetreten mit dem Anspruch, Deutschland zu modernisieren — zerbrach im November 2024 am Haushaltsstreit. Finanzminister Lindner wollte keine Ausnahme von der Schuldenbremse zulassen. Kanzler Olaf Scholz entließ ihn. Die FDP-Minister verließen das Kabinett, Scholz stellte die Vertrauensfrage.

Kubicki zählte zu denjenigen in der FDP, die dem Ampel-Ende offen zugeneigt waren. Er hatte die Koalition nie vorbehaltlos unterstützt und war für seine kritischen Wortmeldungen bekannt. Nach dem Bruch positionierte er sich als Stimme der Erneuerung — jemand, der die FDP mit einem anderen Profil neu aufstellen will.

Kubickis Programm: Was er anders machen will

Kubicki hat sein Programm in wenigen Sätzen zusammengefasst: Er will eine FDP, die "mit neuem Selbstbewusstsein politische Debatten in diesem Land anführt, statt ihnen hinterherzulaufen". Klar im Inhalt, klar in der Sprache — und wieder sprachfähig gegenüber Wählern, die die Liberalen abgestraft haben.

Als potenziellen Generalsekretär hat er den bayerischen FDP-Politiker Martin Hagen benannt. Ein Signal: Kubicki denkt in Personen, nicht nur in Papieren. Hagen gilt als einer der köpfigen Nachwuchspolitiker der FDP, der die Partei in Bayern überlebt hat, während sie bundesweit verschwand.

Kubickis Rivalen sind Christian Dürr, der die FDP nach Lindner übernahm und nun erneut kandidiert, und Henning Höne aus Nordrhein-Westfalen. Dürr steht für Kontinuität, Höne für regionale Verankerung. Kubicki steht für etwas anderes: Prominenz, Schlagkraft in Medien und die Länge seiner Parteizugehörigkeit.

Kann er die FDP wirklich retten?

Die ehrliche Antwort ist: niemand weiß es. Die FDP leidet nicht an einem Personal-, sondern an einem Identitätsproblem. Die Partei hat seit 2021 keine überzeugende Antwort auf die Frage geliefert, was liberale Politik im 21. Jahrhundert bedeutet — jenseits von Schuldenbremse und Steuersenkungen, die in Krisenzeiten schwer zu verkaufen sind.

Kubicki bringt drei Dinge mit, die seiner Partei fehlen: Erfahrung in der Opposition, Unabhängigkeit von der Lindner-Ära und mediale Sichtbarkeit. Er ist kein Newcomer, dem man Naivität vorwerfen könnte, und kein Arch-Ideologe, der die Partei weiter polarisiert. Ob das reicht, um die FDP aus dem Drei-Prozent-Keller zu führen — das wird der Parteitag Ende Mai entscheiden.

Was sicher ist: Für die FDP beginnt mit dem Parteitag der wichtigste Monat ihrer jüngsten Geschichte. Nicht wegen Kubicki allein — sondern weil die Alternative zur Erneuerung das langsame Verschwinden ist.

Chronologie: FDP-Krise 2024–2026

  • November 2024: Ampel-Aus. Scholz entlässt Lindner, FDP verlässt Regierung
  • Februar 2025: Bundestagswahl — FDP 4,3 %, nicht im Bundestag
  • März 2025: Lindner tritt als Parteivorsitzender zurück
  • Mai 2025: Christian Dürr wird FDP-Vorsitzender (82,25 % der Delegierten)
  • März 2026: Wahldebakel Landtagswahlen, Dürr-Führung tritt geschlossen zurück
  • 4. April 2026: Kubicki kündigt Kandidatur an
  • Ende Mai 2026: FDP-Parteitag, Wahl des neuen Vorsitzenden

Umfragen: Wo steht die FDP jetzt?

Die aktuellen Sonntagsfragen zeigen die FDP bei 3 bis 3,5 Prozent — weit unter der Fünf-Prozent-Hürde. Das ist kein neues Problem: Schon beim Wahlkampf 2025 liefen die Umfragen der Partei davon. Das Gute — wenn man es so nennen kann — ist, dass die FDP diesen Weg schon einmal gegangen ist. 2013 flog sie aus dem Bundestag. 2017 kehrte sie mit 10,7 Prozent zurück.

Das Schlechte: Damals kam der Aufschwung nach vier Jahren Opposition unter Lindner selbst. Diesmal hat die FDP keinen Lindner mehr — und Kubicki ist 73. Die Frage, die sich die Partei stellen muss, ist nicht nur: Wer führt uns? Sondern: Womit?

Fazit

Wolfgang Kubicki ist der prominenteste Kandidat, den die FDP in ihrer aktuellen Lage aufbieten kann. Er bringt Erfahrung, Profil und die Bereitschaft mit, auch gegen den Strom zu schwimmen. Das reicht möglicherweise, um beim Parteitag zu gewinnen. Ob es reicht, um die FDP wieder in den Bundestag zu führen, ist eine andere Frage — und die beantwortet kein Parteitag, sondern die nächste Bundestagswahl 2029.

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Häufige Fragen

Warum will Kubicki FDP-Chef werden?

Kubicki sieht die FDP nach dem Rücktritt der Dürr-Führung ohne klare Richtung. Er will die Partei mit "neuem Selbstbewusstsein" und einem schärferen liberalen Profil aus der außerparlamentarischen Krise führen.

Wer ist Wolfgang Kubicki?

Wolfgang Kubicki, Jahrgang 1952, ist Rechtsanwalt und seit 1971 in der FDP. Er war Bundestagsvizepräsident (2017–2025), langjähriger FDP-Fraktionschef in Schleswig-Holstein und stellvertretender Bundesvorsitzender seit 2013. Er gilt als streitbarer, medienwirksamer Liberaler.

Gegen wen tritt Kubicki an?

Beim FDP-Parteitag Ende Mai 2026 tritt Kubicki gegen Christian Dürr (amtierender Vorsitzender) und Henning Höne (NRW-Landeschef) an.

Wie steht die FDP aktuell in Umfragen?

Die FDP liegt in aktuellen Umfragen bei 3 bis 3,5 Prozent — deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde. Bei der Bundestagswahl 2025 erzielte sie 4,3 Prozent und ist seitdem außerparlamentarisch.

Was war die Ampel-Koalition und warum ist sie gescheitert?

Die Ampel (SPD, Grüne, FDP) regierte von 2021 bis November 2024. Sie zerbrach am Haushaltsstreit: Lindner lehnte Schulden ab, Scholz entließ ihn. Die FDP verließ die Regierung, es kam zu Neuwahlen.

SonntagsfrageCDU/CSU24,0%SPD13,0%Grüne13,8%AfD26,3%BSW3,8%FDP3,8%Linke10,3%YouGov · 15.04.BTW 2025CDU/CSU28,5%SPD20,5%Grüne11,6%AfD20,8%BSW5,0%FDP4,3%Linke3,8%Welt Politik „Es ist nicht nur unredlich, sondern auch unverschämt“Tagesschau Warkens Sparpaket: Was auf Patienten zukommen könnteWelt Politik Machtwechsel in Ungarn– Magyar kündigt Kurswechsel und Medienreformen anWelt Politik Beamte fordern 1000-Euro-Krisenbonus für öffentlichen Dienst – SPD findet es „richtig“FAZ Politik Liveblog Irankrieg: Trump: Denke nicht über Verlängerung der Waffenruhe nachFAZ Politik China und die USA: So stark belastet der Irankrieg die Beziehung zwischen Trump und XiFAZ Politik Meloni und der Irankrieg: Deswegen hat die „Trump-Flüsterin“ ihren Kurs geändertTagesschau Bund plant höhere Beamtenbesoldung - Milliardenkosten trotz SpardruckTagesschau Kritik an Sparplänen der Gesundheitsministerin - Patienten übermäßig belastet?

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